Teil 6 und 7
Teil 6:
Unmöglichkeit eines Happy Ends für alle Protagonisten einer Dreierbeziehung
Vier Wochen später. Halbjahrestag. Vor genau einem halben Jahr haben sie sich zum ersten Mal getroffen. Zu zweit in einem Kino. Und sie hat sich sofort in ihn verliebt….
Heute sitzen sie auch zusammen im Kino. Auf der Stiege vor Saal 11. Aber diesmal zu Dritt. Seine Freundin ist auch dabei. Und zu Dritt ist auch nicht ganz korrekt, denn,….
Es werden übrigens vielleicht Zwillinge., sagt er und lacht dabei. Sie macht nur eine sarkastische Bemerkung, hält es für einen Scherz bis seine Freundin ihr einen bösen Blick zuwirft und sich zu Wort meldet, dass man das erst Ende des dritten Monats wirklich wissen wird, im Moment wäre es nur eine Vermutung des Arztes.
Ihr wird klar, dass das ernst gemeint war, aber eigentlich ist es eh egal, ob sie jetzt ein oder mehrere Kinder erwartet macht auch keinen Unterschied.
Während des Filmes, in dem es Hauptsächlich um Liebe, Liebe und noch mehr Liebe geht (ähnlich wie dem, den sie sich damals zu zweit in einem anderen Kino angeschaut haben), versucht sie nicht zu beobachten, wie sie halb auf ihm liegt und er sie zärtlich streichelt. Versucht sich an irgendeinen anderen Ort zu denken.
Vorher haben sie sich noch nett unterhalten, was ihr wieder böse Blicke eingebracht hat.
Sie denkt über die letzten Wochen nach. Als er ihr ein paar Tage nach ihrer Versöhnung angedeutet hat, dass seine Freundin schwanger sein könnte, an den Tag, wo sie als eine der ersten die freudige Nachricht erfahren hat, dass sie tatsächlich schwanger ist (ironischerweise an dem Tag an dem sie sich sicher war selbst nicht schwanger zu sein) und an den darauf folgenden Mittwoch, wo er bei ihr war, um zu reden.
Niemals wird sie diesen Tag vergessen. Ihr war schon beim Aufstehen so schlecht, dass sie geglaubt hat sich übergeben zu müssen. Der Gedanke, dass es jetzt für immer vorbei sei, dass sie sich vielleicht nicht mal mehr wieder sehen werden, hat sie fertig gemacht. Ausgerechnet jetzt, wo sie sich endlich wieder so gut verstehen. Keine Streits mehr, wieder volles Vertrauen, vertraute Gespräche, Nähe, Zweisamkeit. Aber so darf es nicht weiter gehen.
Der Mittwoch Abend naht. Schon läutet er an der Tür. Und es ist wie immer. Nach kurzer Zeit landen sie zusammen in der Badewanne zum entspannen nach dem anstrengenden Tag. Danach liebevoller Sex und anschließendes Kuscheln. Nie hat sie sich ihm näher gefühlt.
Sie reden über alles, über das Kind, die Zukunft, wie er sich sein Leben vorstellt. Es kommt alles so, wie es kommen muss, er lässt alles auf sich zukommen. Ja das kennt sie von irgendwoher. Zu viele Gemeinsamkeiten.
Sie liegen da zusammen, halten sich zärtlich im Arm und sprechen über sein Baby. Über die geplante gemeinsame Wohnung außerhalb von Wien, über Kinderwägen, die es gerade im Angebot gibt. Nur ist sie nicht die Mutter des Kindes, sondern seine Vertraute, Geliebte? Beste Freundin.
Und jetzt ein paar Tage später sind sie alle zusammen im Kino und sehen sich zusammen einen Film an. Das kann es doch gar nicht geben, oder?
Vielleicht ist es nur ein Traum und jeden Moment wird sie aufwachen. Das ist doch alles gar nicht wahr. Nicht jetzt wo zwischen ihnen alles so gut läuft.
Irgendwas ist immer dagegen. Irgendwie kann es nicht funktionieren. Das Scheitern war von Anfang an Vorprogrammiert. Zu einer anderen Zeit hätten sie sich wahrscheinlich weder getroffen, noch verliebt. Eigentlich ist er gar nicht ihr Typ und umgekehrt auch nicht. Eigentlich passen sie doch gar nicht zusammen. Eigentlich sind sie wie füreinander geschaffen. Eigentlich,…. kann man erst in ein paar Jahren rückwirkend sagen, wie das alles eigentlich war. Nichts was man den Kindern erzählen könnte.
Nach dem Film verabschieden sie sich, gehen in unterschiedliche Richtungen davon.
Vielleicht hätte sie akzeptiert, dass das jetzt das Ende ist. Aber da sie wusste, dass seine Freundin in Kürze für ganze 2 Wochen weg sein würde und sie sich in dieser Zeit ohne Probleme sehen können würden, klammerte sie sich an den Gedanken.
Und daher… Fortsetzung folgt
@Lilli
Teil 7: Unmöglichkeit des Abschieds
Drei Wochen später. Sie sitzen zusammen wieder in diesem Lokal. Vielleicht zum letzten Mal. Aber darüber will sie nicht nachdenken, nicht jetzt, sich diesen letzten Abend mit ihm nicht verderben lassen.
Vorige Woche waren sie auch da. Sie haben das ganze Wochenende zusammen verbracht, weil seine Freundin 2 Wochen auf Urlaub war. Zwei wunderbare Wochen gestohlener Zeit. Ein Wochenende von Freitag bis Sonntag Abend zusammen. Endlich wieder unbeschwert zusammen weggehen, flirten, Freunde treffen. Sich nahe sein. Verbündete sein. Sie haben die Nachmittage in seiner und ihrer Wohnung vertrödelt, waren zusammen frühstücken, spazieren, Pizza und Eis essen, sind im Bett gelegen und haben ferngesehen und geredet, über alles und nichts.
Das erste Mal seit er wieder mit seiner Freundin zusammen ist, ist sie in seiner Wohnung. Es hat sich fast nichts verändert dort, außer der Kinderwagen im Schlafzimmer, aber diesen Raum hat sie früher auch nie betreten.
Je näher der Sonntag kam, desto schwieriger wurde es, weil das wohl das einzige gemeinsame Wochenende bleiben würde, für lange, lange Zeit, vielleicht für immer.
Und selbst wenn es seine Freundin nicht geben würde, wenn sie nicht schwanger wäre, würde das nichts daran ändern. Es gibt kein wenn und aber, es ist wie es ist.
Freitag treffen sie sich zuerst mit einer Internetbekanntschaft von ihm, dann treffen sie zufällig eine Internetbekanntschaft von ihr. Aber egal welche Menschen sie treffen, es verstärkt sich nur der Eindruck, dass sie zusammen gehören, wirklich gute Freunde sind. Können sie das bleiben? Muss ein Schlussstrich gezogen werden, damit es irgendwann wieder eine normale Freundschaft geben kann? Und die Chance sich in jemand anderen zu verlieben?
Am nächsten Donnerstag hat er sie von der Arbeit abgeholt und sie sind zu ihr gefahren. Eigentlich wollten sie noch gemeinsam weggehen, aber als es zu regnen begonnen hat, sind sie doch zu Hause geblieben. Aber irgendwie war es seltsam. Kein wirkliches Fallen lassen, komisches Gefühl. Als er sich von ihr verabschiedete meinte er, dass er so nicht weiter machen könne. Das was sie seit Wochen erwartet hatte ist eingetroffen. Er hat ein schlechtes Gewissen seiner Freundin gegenüber kann damit nicht leben. Genaugenommen sagt er, dass sie nicht mehr lange so weitermachen können. Er macht die Tür nicht ganz zu, lehnt sie nur an.
Erst am nächsten Tag registriert sie, dass es vorbei ist. Und es tut weh. Sie schreibt ihm ein Mail, versucht zu schildern wie sie sich fühlt. Dass sie diese Freundschaft nicht aufgeben will. Die sexuelle Beziehung sei ihr nicht so wichtig, aber seine Freundschaft schon. Viel zuviel Gefühl.
Ein SMS von ihm, er unterstützt das was sie geschrieben hat.
Und er hat vor am Samstag den Nachmittag mit ihr zu verbringen.
Sie versucht Abstand zu halten an diesem Samstag Nachmittag. Ihn nicht zu bedrängen. Sie gehen zusammen spazieren, fahren dann zu ihm und kochen gemeinsam. Nach dem Essen liegen sie zusammen auf der Couch und schauen fern. Gute Freunde mehr nicht. Kuscheln ist erlaubt. Sie streichelt ihn zärtlich über den Arm, aber das ist wohl genug um alle guten Vorsätze über Bord zu werfen. Schließlich ist es der letzte gemeinsame Abend.
Nachdem sie geduscht und sich wieder angezogen haben fahren sie zusammen in ihr Lieblingslokal. Dort treffen sie ihren Exfreund.
6 Wochen nachdem er die Beziehung beendet hat, hat sie ihren Vertrauten kennen gelernt. So schnell kann es gehen. So schnell kann man sich wieder verlieben. Zwischenbeziehungen Beziehung.
Und jetzt sitzt sie da, zwischen den beiden Männern die ihr irgendwie nahe sind oder waren und die so unglaublich verschieden sind, dass sie verschiedener gar nicht sein könnten. Wenn sie sich jetzt entscheiden dürfte, für welchen der beiden würde sie sich entscheiden?
Aber diese Frage stellt sich nicht, weder heute noch an einem anderen Tag, also verabschiedet sie sich irgendwann, leise und unspektakulär und fährt nach Hause.
Jeder der beiden wohnt näher an der Firma in der sie in ein paar Stunden zu arbeiten anfangen muss, aber sie fährt in ihre Wohnung.
Bevor sie sich ins Bett legt, schreibt sie ihm noch ein SMS. Auch damit muss sie in nächster Zeit aufhören, weil seine Freundin jetzt in seiner Firma mitarbeitet und bei jeder SMS mitlesen will, wer was geschrieben hat.
Alles ändert sich, aber das Leben geht weiter.
Manchmal muss man eine Tür schließen, damit eine andere aufgehen kann.
Aber in Wirklichkeit kommt sowieso alles wie es kommen muss. Das Leben bleibt spannend und die nächste große Liebe kommt schneller als erwartet.